SeiDuSelbst e.V. im Radio: Daniel Peters und Maximilian sprechen bei „Wat et nit all jöwt“ über Awareness, Inklusion und die Arbeit des queeren Vereins aus Neuss.

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SeiDuSelbst e.V. im Radio beim Interview über Awareness und Inklusion

Neuss/Düsseldorf, Mai 2026 – Was bedeutet Awareness eigentlich? Wann benötigen Menschen auf Veranstaltungen Unterstützung? Wie können Schutz- und Rückzugsräume gestaltet werden? Und warum müssen bei Inklusion auch Autismus, ADHS und andere nicht unmittelbar sichtbare Bedürfnisse berücksichtigt werden? Über diese und viele weitere Themen sprachen Daniel Peters und Maximilian von SeiDuSelbst e.V. in der Radiosendung „Wat et nit all jöwt“.

In der von Kalle Wahle moderierten Sendung, die bei StreamD e.V. in Düsseldorf produziert wurde, hatten wir die Gelegenheit, unseren Verein, unsere ehrenamtliche Arbeit und unsere Erfahrungen ausführlich vorzustellen. Dabei ging es nicht nur um die Geschichte von SeiDuSelbst e.V., sondern vor allem um die Frage, wie ein respektvolles, vielfältiges und möglichst sicheres Miteinander in der Praxis gelingen kann.

Daniel Peters, Gründer und Projektleiter von SeiDuSelbst e.V., und Maximilian, stellvertretender Vorsitzender des Vereins, gaben Einblicke in die Entstehung und Entwicklung unserer Arbeit. Sie berichteten von unseren Projekten, von der Begleitung unterschiedlicher Veranstaltungen und von den Herausforderungen, vor denen queere Menschen, neurodivergente Personen und weitere von Ausgrenzung betroffene Menschen auch heute noch stehen.

Das Gespräch machte deutlich: Awareness ist kein vorübergehender Trend und auch kein Begriff, der ausschließlich auf Christopher Street Days oder andere queere Veranstaltungen gehört. Awareness beschreibt vielmehr eine Haltung, die überall dort wichtig ist, wo Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen, Bedürfnissen und persönlichen Grenzen aufeinandertreffen.

SeiDuSelbst e.V. im Radio: Einblicke in unseren Verein

SeiDuSelbst e.V. setzt sich seit 2020 für Vielfalt, Akzeptanz, Gleichberechtigung, Teilhabe und ein respektvolles gesellschaftliches Miteinander ein. Unser Anliegen ist es, Menschen zu stärken und Räume mitzugestalten, in denen sie möglichst selbstbestimmt und ohne Angst vor Ausgrenzung teilnehmen können.

Unser Vereinsname bringt dabei bereits eine wichtige Botschaft zum Ausdruck: Jeder Mensch soll die Möglichkeit haben, er selbst zu sein – unabhängig von sexueller Orientierung, geschlechtlicher Identität, Herkunft, Religion, Behinderung, Neurodivergenz oder persönlicher Lebensgeschichte.

Diese Vorstellung klingt zunächst selbstverständlich. Die Realität zeigt jedoch, dass viele Menschen weiterhin Diskriminierung, Ablehnung, Belästigung oder gesellschaftliche Ausgrenzung erleben. Manche Vorfälle sind für Außenstehende deutlich sichtbar. Andere geschehen leise, werden heruntergespielt oder von den betroffenen Personen aus Angst, Scham oder Unsicherheit nicht angesprochen.

Unsere Arbeit setzt genau an dieser Stelle an. Wir möchten Aufmerksamkeit schaffen, Betroffene unterstützen und gemeinsam mit Veranstaltenden Strukturen entwickeln, die nicht erst dann greifen, wenn bereits etwas passiert ist.

Awareness im Radiointerview mit SeiDuSelbst e.V.

Im Gespräch erklärt SeiDuSelbst e.V. im Radio, was sich hinter dem Begriff „Awareness“ verbirgt. Der Begriff lässt sich mit Bewusstsein, Aufmerksamkeit oder Sensibilität übersetzen. Für uns bedeutet Awareness, die eigenen Handlungen und die Grenzen anderer Menschen bewusst wahrzunehmen.

Es geht darum, hinzuschauen, zuzuhören und Situationen ernst zu nehmen. Ebenso wichtig ist es, nicht vorschnell über betroffene Personen zu urteilen oder ihnen vorzuschreiben, wie sie mit einem Erlebnis umgehen sollen.

Menschen nehmen Situationen sehr unterschiedlich wahr. Eine Bemerkung, eine Berührung oder ein bestimmtes Verhalten kann für eine Person harmlos erscheinen und bei einer anderen Person ein erhebliches Gefühl von Unsicherheit auslösen. Entscheidend ist daher nicht allein, wie eine Handlung möglicherweise gemeint war, sondern auch, wie sie bei der betroffenen Person angekommen ist und welche Grenzen dabei überschritten wurden.

Awareness-Arbeit kann unter anderem bei folgenden Situationen notwendig werden:

  • Diskriminierung und Ausgrenzung,
  • queerfeindlichen, rassistischen oder ableistischen Äußerungen,
  • sexueller Belästigung,
  • unerwünschten Berührungen,
  • Bedrohungen und Konflikten,
  • psychischen Belastungssituationen,
  • Panikattacken oder Überforderung,
  • Reizüberflutung,
  • Problemen aufgrund fehlender Barrierefreiheit,
  • Unsicherheit oder dem Wunsch nach einer vertraulichen Ansprechperson.

Nicht jeder Kontakt mit einem Awareness-Team beginnt mit einem schweren Vorfall. Manchmal benötigen Menschen lediglich einen ruhigen Ort, ein vertrauliches Gespräch, eine Orientierung auf dem Veranstaltungsgelände oder eine Person, die sie für einige Minuten begleitet.

Auch solche Anliegen sind berechtigt und werden von uns ernst genommen.

Betroffene Personen bestimmen das weitere Vorgehen

Ein zentraler Grundsatz unserer Arbeit ist die sogenannte Definitionsmacht. Das bedeutet zunächst, dass die betroffene Person selbst beschreibt, was sie erlebt hat und wie sie die Situation wahrnimmt.

Das Awareness-Team stellt die Schilderung nicht grundsätzlich infrage und verlangt von der betroffenen Person nicht, ihre Gefühle oder Wahrnehmungen zu rechtfertigen. Gleichzeitig bedeutet Definitionsmacht nicht, dass ein Awareness-Team gerichtliche Entscheidungen trifft oder Schuld im strafrechtlichen Sinne feststellt.

Unsere Aufgabe besteht darin, zuzuhören, Schutz anzubieten und gemeinsam mit der betroffenen Person zu besprechen, welche Unterstützung sie benötigt.

Je nach Situation kann dies beispielsweise bedeuten:

  • ein vertrauliches Gespräch zu führen,
  • die Person in einen Rückzugsraum zu begleiten,
  • eine vertraute Begleitperson zu suchen,
  • beim Verlassen des Veranstaltungsgeländes zu unterstützen,
  • Kontakt zur Veranstaltungsleitung herzustellen,
  • den Sicherheits- oder Sanitätsdienst hinzuzuziehen,
  • bei Bedarf Polizei, Rettungsdienst oder andere Fachstellen einzubinden,
  • Informationen zu weiterführenden Beratungsangeboten bereitzustellen.

Soweit keine unmittelbare Gefahr besteht, soll die betroffene Person möglichst selbst entscheiden, welche nächsten Schritte erfolgen. Awareness-Arbeit soll Selbstbestimmung stärken und nicht durch eine neue Fremdbestimmung ersetzen.

Zuhören, begleiten und ernst nehmen

Viele Menschen, die Diskriminierung oder einen Übergriff erlebt haben, machen anschließend die Erfahrung, dass ihnen nicht geglaubt wird. Sie hören Sätze wie „Das war bestimmt nicht so gemeint“, „Du reagierst über“ oder „Da ist doch gar nichts passiert“.

Solche Reaktionen können zusätzlich belasten. Deshalb ist eine sensible und respektvolle Gesprächsführung ein wesentlicher Bestandteil unserer Arbeit.

Wir möchten betroffenen Personen vermitteln, dass ihre Gefühle und Grenzen ernst genommen werden. Dabei vermeiden wir Druck und geben keine Versprechen ab, die wir nicht erfüllen können. Das Team erklärt transparent, welche Möglichkeiten bestehen, welche weiteren Stellen einbezogen werden können und wo die Grenzen unserer eigenen Zuständigkeit liegen.

Awareness-Teams ersetzen weder medizinisches Fachpersonal noch Psychotherapie, Polizei oder Sicherheitsdienste. Sie können aber eine wichtige erste Anlaufstelle bilden, Betroffene stabilisieren und dabei helfen, die passende Unterstützung zu erreichen.

SeiDuSelbst e.V. im Radio über Awareness beim CSD

Ein wichtiger Bereich unserer Vereinsarbeit ist die Begleitung von Christopher Street Days und anderen Veranstaltungen der LGBTQIA+-Community. Deshalb berichtet SeiDuSelbst e.V. im Radio auch über die praktische Arbeit unseres Awareness-Teams auf solchen Veranstaltungen.Ein wichtiger Bereich unserer Vereinsarbeit ist die Begleitung von Christopher Street Days und anderen Veranstaltungen der LGBTQIA+-Community.

CSD-Veranstaltungen stehen für Sichtbarkeit, Vielfalt, Selbstbestimmung und den gemeinsamen Einsatz für gleiche Rechte. Gleichzeitig treffen dort sehr viele unterschiedliche Menschen aufeinander. Neben Musik, Demonstrationen, Bühnenprogrammen und ausgelassener Stimmung können auch Konflikte, diskriminierende Situationen oder persönliche Krisen entstehen.

Auch queere Veranstaltungen sind nicht automatisch frei von Diskriminierung oder Grenzüberschreitungen. Innerhalb der Community können beispielsweise transfeindliche, rassistische, sexistische oder ableistische Verhaltensweisen auftreten. Ebenso können Besucherinnen und Besucher von außen mit queerfeindlichen Einstellungen auf das Veranstaltungsgelände kommen.

Deshalb ist es wichtig, dass Awareness nicht nur als freundlicher Hinweis im Veranstaltungskonzept erwähnt wird. Es braucht erreichbare Ansprechpersonen, klare Zuständigkeiten, eine gute Kommunikation und möglichst einen geschützten Rückzugsraum.

Unser Team ist während der Veranstaltungen auf dem Gelände präsent und an seiner Kennzeichnung zu erkennen. Zusätzlich kann es – abhängig von der jeweiligen Veranstaltung – eine eigene Awareness-Rufnummer geben, über die Besucherinnen und Besucher Unterstützung anfordern oder Vorfälle melden können.

Der Safe Space als geschützter Rückzugsort

Ein wichtiger Bestandteil unserer Arbeit ist der Safe Space beziehungsweise Rückzugsraum. Dieser Ort soll Menschen die Möglichkeit geben, sich für eine gewisse Zeit aus dem Veranstaltungsgeschehen zurückzuziehen.

Auf großen Veranstaltungen wirken zahlreiche Eindrücke gleichzeitig: laute Musik, Gespräche, Menschenmengen, wechselnde Lichtverhältnisse, Gerüche, körperliche Nähe und dauernde Bewegung. Für manche Menschen ist das aufregend und gehört zu einem gelungenen Veranstaltungserlebnis. Für andere kann diese Umgebung schnell belastend oder überfordernd werden.

Der Rückzugsraum kann daher von Menschen genutzt werden, die einen Vorfall erlebt haben, aber auch von Personen, die Ruhe benötigen oder sich neu orientieren müssen.

Ein Safe Space ist jedoch keine Garantie dafür, dass dort niemals etwas Belastendes geschieht. Vielmehr handelt es sich um einen möglichst geschützten und betreuten Raum mit klaren Regeln. Seine Qualität hängt von einer guten Vorbereitung, geeigneten Räumlichkeiten und einem verlässlichen Team ab.

Besonders wichtig sind:

  • ein gut erreichbarer und trotzdem ruhiger Standort,
  • eine verständliche Ausschilderung,
  • möglichst barrierearme Zugänge,
  • klare Zuständigkeiten,
  • geschulte Ansprechpersonen,
  • Vertraulichkeit und Datenschutz,
  • Möglichkeiten zum Sitzen und Zurückziehen,
  • eine geregelte Zusammenarbeit mit weiteren Einsatzkräften.

Ein Rückzugsraum hilft nur, wenn die Besucherinnen und Besucher wissen, dass er existiert und wie sie ihn erreichen können. Deshalb gehören gute Wegweiser und frühzeitige Informationen ebenso zu einem funktionierenden Awareness-Konzept wie die Betreuung vor Ort.

Zusammenarbeit mit anderen Beteiligten

Awareness-Arbeit funktioniert auf größeren Veranstaltungen nicht isoliert. Entscheidend ist eine verlässliche Zusammenarbeit zwischen allen beteiligten Bereichen.

Dazu gehören je nach Veranstaltung unter anderem:

  • die Veranstaltungs- und Organisationsleitung,
  • der Sicherheitsdienst,
  • der Sanitätsdienst,
  • die Polizei,
  • das Ordnungsamt,
  • das Bühnen- und Technikteam,
  • weitere ehrenamtliche Helferinnen und Helfer.

Vor Beginn einer Veranstaltung müssen Zuständigkeiten und Kommunikationswege geklärt werden. Das Awareness-Team muss beispielsweise wissen, an wen es sich bei einer medizinischen Notlage, einer akuten Bedrohung oder einer notwendigen Sicherheitsmaßnahme wenden kann.

Gleichzeitig müssen auch die anderen Bereiche wissen, welche Aufgaben das Awareness-Team übernimmt und wie es erreichbar ist.

Dabei ist eine klare Abgrenzung wichtig. Das Awareness-Team führt keine medizinische Behandlung durch, übernimmt keine polizeilichen Ermittlungen und ersetzt nicht den Sicherheitsdienst. Es kann jedoch Betroffene begleiten, Informationen weitergeben und dafür sorgen, dass die zuständigen Stellen einbezogen werden.

Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit ermöglicht schnelle Hilfe, ohne die Bedürfnisse der betroffenen Person aus dem Blick zu verlieren.

Inklusion bedeutet mehr als einen barrierefreien Eingang

Im Gespräch von SeiDuSelbst e.V. im Radio wurde außerdem thematisiert, wie eng Awareness und Inklusion miteinander verbunden sind.Im Gespräch wurde außerdem thematisiert, wie eng Awareness und Inklusion miteinander verbunden sind.

Wenn von Barrierefreiheit gesprochen wird, denken viele Menschen zunächst an Rampen, Aufzüge oder rollstuhlgerechte Toiletten. Diese Aspekte sind unverzichtbar. Barrieren können jedoch sehr unterschiedlich sein und sind nicht immer auf den ersten Blick sichtbar.

Auch unverständliche Informationen, fehlende Rückzugsmöglichkeiten, überfordernde Reize, unklare Abläufe oder nicht ausreichend sensibilisierte Ansprechpersonen können Menschen von einer gleichberechtigten Teilnahme ausschließen.

Wirkliche Inklusion beginnt deshalb nicht erst am Eingang einer Veranstaltung. Sie muss bereits in der Planung berücksichtigt werden.

Dazu gehören beispielsweise:

  • verständliche und frühzeitig verfügbare Informationen,
  • Hinweise zur Anreise und zum Gelände,
  • Angaben zur Barrierefreiheit,
  • erkennbare Ansprechpersonen,
  • Rückzugs- und Ruhemöglichkeiten,
  • respektvolle Sprache,
  • Sensibilität gegenüber unterschiedlichen Kommunikationsbedürfnissen,
  • klare Beschilderungen,
  • die Möglichkeit, Unterstützung unkompliziert anzufordern.

Teilhabe bedeutet nicht nur, dass eine Person theoretisch anwesend sein kann. Sie bedeutet, dass Menschen tatsächlich die Möglichkeit erhalten, eine Veranstaltung möglichst selbstbestimmt und sicher zu erleben.

SeiDuSelbst e.V. im Radio über Autismus und ADHS

Ein weiterer Schwerpunkt von SeiDuSelbst e.V. im Radio war die Bedeutung von Awareness für Menschen mit Autismus und ADHS.

Neurodivergente Menschen erleben und verarbeiten ihre Umgebung teilweise anders. Geräusche, Licht, Gerüche, Berührungen oder Menschenmengen können wesentlich intensiver wahrgenommen werden. Auch kurzfristige Änderungen, unklare Abläufe oder eine große Zahl sozialer Kontakte können zu Überforderung führen.

Dabei gibt es keine einheitliche Lösung, die für alle Menschen funktioniert. Autistische Menschen und Menschen mit ADHS sind keine homogene Gruppe. Bedürfnisse, Fähigkeiten und Belastungsgrenzen unterscheiden sich von Person zu Person.

Deshalb ist es wichtig, zuzuhören und individuelle Wünsche ernst zu nehmen. Manche Menschen benötigen einen ruhigen Ort. Andere wünschen sich eine klare Erklärung des weiteren Ablaufs, eine Begleitung über das Gelände oder einfach einige Minuten ohne zusätzliche Ansprache.

Awareness-Teams sollten deshalb nicht vorschnell handeln, sondern nachfragen, welche Unterstützung gerade hilfreich ist. Sätze wie „Was brauchst du im Moment?“ oder „Wie können wir dich unterstützen?“ können häufig hilfreicher sein als ungefragte Maßnahmen.

Die Beschäftigung mit Neurodivergenz erweitert den Blick auf Awareness. Sie zeigt, dass Menschen nicht erst einen eindeutig benennbaren Übergriff erlebt haben müssen, um Unterstützung in Anspruch nehmen zu dürfen.

Unsichtbare Belastungen ernst nehmen

Nicht jede Behinderung und nicht jede psychische Belastung ist von außen erkennbar. Menschen können unter Angststörungen, Traumafolgestörungen, Depressionen, chronischen Erkrankungen oder weiteren Belastungen leben, ohne dass andere Personen dies bemerken.

Das führt mitunter dazu, dass ihr Verhalten falsch eingeordnet wird. Eine Person, die nicht antwortet, Blickkontakt vermeidet oder sich plötzlich zurückzieht, wird möglicherweise als unhöflich wahrgenommen, obwohl sie gerade überfordert ist.

Awareness bedeutet auch, solche Situationen nicht vorschnell zu bewerten. Es geht darum, Unterstützung anzubieten, ohne eine Diagnose zu stellen oder persönliche Informationen einzufordern.

Niemand sollte seine gesamte Lebensgeschichte offenlegen müssen, um Rücksicht und Unterstützung zu erhalten.

Prävention beginnt vor der Veranstaltung

Ein gutes Awareness-Konzept beschränkt sich nicht auf die Reaktion nach einem Vorfall. Es beginnt lange vor dem eigentlichen Veranstaltungstag.

Bereits bei der Planung sollten Veranstaltende überlegen:

  • Welche Personengruppen werden erwartet?
  • Welche Barrieren könnten entstehen?
  • Wo befindet sich der Rückzugsraum?
  • Wie ist das Awareness-Team erreichbar?
  • Wie werden Vorfälle dokumentiert?
  • Welche Informationen werden vertraulich behandelt?
  • Wie erfolgt die Zusammenarbeit mit Sicherheits- und Sanitätsdienst?
  • Was passiert bei einer akuten Gefährdung?
  • Wie werden Besucherinnen und Besucher über das Angebot informiert?
  • Wie wird das Konzept nach der Veranstaltung ausgewertet?

Zur Vorbereitung gehören außerdem Absprachen, Einweisungen und eine klare Aufgabenverteilung. Alle Teammitglieder müssen wissen, was sie tun können und wo ihre persönlichen sowie fachlichen Grenzen liegen.

Nach der Veranstaltung ist eine strukturierte Nachbesprechung sinnvoll. Dabei können Einsätze ausgewertet, Belastungen im Team aufgefangen und Verbesserungen für kommende Veranstaltungen entwickelt werden.

Ehrenamt mit Verantwortung

Die Arbeit von SeiDuSelbst e.V. wird zu einem großen Teil ehrenamtlich geleistet. Hinter jedem begleiteten Einsatz stehen viele Stunden Vorbereitung, Abstimmung und Nachbereitung.

Material muss organisiert, ein Einsatzplan erstellt und die Kommunikation mit den Veranstaltenden abgestimmt werden. Während der Veranstaltung müssen Ansprechpersonen erreichbar sein und ihre Umgebung aufmerksam beobachten. Nach dem Einsatz werden Erfahrungen gesammelt, dokumentiert und ausgewertet.

Ehrenamtliche Awareness-Arbeit verlangt deshalb nicht nur Engagement, sondern auch Zuverlässigkeit, Einfühlungsvermögen, Teamfähigkeit und die Bereitschaft zur regelmäßigen Reflexion.

Ebenso wichtig ist der Schutz der Teammitglieder. Auch Helfende können durch belastende Gespräche oder Vorfälle an persönliche Grenzen gelangen. Gute Awareness-Strukturen müssen deshalb nicht nur Betroffene, sondern auch die eingesetzten Teammitglieder im Blick behalten.

Niemand muss jede Situation allein bewältigen. Unterstützung im Team, geregelte Pausen und eine gemeinsame Nachbesprechung sind unverzichtbar.

Über Grenzen sprechen, ohne Menschen auszuschließen

Awareness-Arbeit wird manchmal fälschlicherweise als Sammlung von Verboten verstanden. Tatsächlich geht es nicht darum, Begegnungen, Feiern oder einen offenen Austausch zu verhindern.

Im Mittelpunkt steht vielmehr ein einfacher Grundsatz: Die Freiheit einer Person endet dort, wo die Grenzen einer anderen Person missachtet werden.

Ein respektvolles Miteinander setzt voraus, dass Menschen miteinander kommunizieren, Zustimmung einholen und ein Nein akzeptieren. Gerade in ausgelassenen Situationen darf nicht davon ausgegangen werden, dass Nähe oder Berührungen automatisch erwünscht sind.

Awareness schafft damit keine Distanz zwischen Menschen. Im besten Fall schafft sie die Grundlage dafür, dass Begegnungen freiwillig, respektvoll und auf Augenhöhe stattfinden können.

Das Radiointerview schafft Sichtbarkeit

Die Einladung zu „Wat et nit all jöwt“ war für uns eine wertvolle Gelegenheit, unsere Arbeit einem größeren Publikum vorzustellen. Durch SeiDuSelbst e.V. im Radio erhalten die Themen Awareness, Vielfalt und gesellschaftliche Teilhabe zusätzliche öffentliche Aufmerksamkeit.

Awareness wird in öffentlichen Diskussionen häufig verkürzt dargestellt. Manchmal wird sie ausschließlich mit Konflikten oder Sanktionen verbunden. Das greift jedoch zu kurz. Awareness umfasst Prävention, Unterstützung, Begleitung, Schutz, Inklusion und den bewussten Umgang mit unterschiedlichen Bedürfnissen.

Im Radio konnten wir ausführlicher erklären, warum diese Arbeit notwendig ist und welche Überlegungen hinter unseren Projekten stehen. Gleichzeitig konnten wir verdeutlichen, dass Awareness keine Aufgabe einzelner Personen oder Teams bleiben darf.

Ein respektvolles Umfeld entsteht nur dann, wenn alle Beteiligten Verantwortung übernehmen: Veranstaltende, Mitarbeitende, ehrenamtliche Helferinnen und Helfer sowie die Besucherinnen und Besucher selbst.

Ein besonderer Einblick in unsere Vereinsarbeit

Das Gespräch mit Kalle Wahle bot nicht nur Raum für fachliche Erklärungen. Es ermöglichte auch einen persönlichen Einblick in die Motivation hinter SeiDuSelbst e.V.

Vereinsarbeit entsteht nicht allein durch Satzungen, Konzepte oder öffentliche Termine. Sie lebt von Menschen, die eigene Erfahrungen einbringen, Probleme ansprechen und gemeinsam nach Lösungen suchen.

Unsere Arbeit entwickelt sich deshalb stetig weiter. Jeder Einsatz bringt neue Erfahrungen mit sich. Jede Rückmeldung zeigt uns, was bereits gut funktioniert und wo Verbesserungen notwendig sind.

Dabei verfolgen wir nicht den Anspruch, für jede Herausforderung sofort eine perfekte Lösung zu besitzen. Wir möchten offen bleiben, zuhören, lernen und gemeinsam mit Betroffenen sowie Kooperationspartnerinnen und Kooperationspartnern tragfähige Strukturen entwickeln.

Vielen Dank an Kalle Wahle und StreamD e.V.

Wir bedanken uns herzlich bei Kalle Wahle für die Einladung und das ausführliche Gespräch. Durch die offene und interessierte Gesprächsführung entstand eine Sendung, in der komplexe Themen verständlich und zugleich persönlich behandelt werden konnten.

Unser Dank gilt ebenso dem gesamten Team von StreamD e.V. für die Produktion und die Möglichkeit, unsere Vereinsarbeit im Radio vorzustellen.

Außerdem danken wir NRWision für die Aufnahme der Sendung in die Mediathek. Dadurch kann das Interview auch nach der ursprünglichen Ausstrahlung kostenlos und unabhängig vom Sendezeitpunkt angehört werden.

Nicht zuletzt danken wir allen ehrenamtlichen Mitgliedern und Unterstützenden von SeiDuSelbst e.V. Ohne ihren Einsatz wären unsere Projekte und unsere Awareness-Arbeit nicht möglich.

SeiDuSelbst e.V. im Radio: Jetzt die Sendung anhören

Wer mehr über SeiDuSelbst e.V., unsere Awareness-Arbeit, unsere Erfahrungen auf Christopher Street Days und die Bedeutung von Inklusion erfahren möchte, kann die vollständige Sendung kostenlos in der NRWision-Mediathek anhören:

„Wat et nit all jöwt“ mit Daniel Peters und Maximilian von SeiDuSelbst e.V.

Die Sendung wurde von Kalle Wahle moderiert, bei StreamD e.V. in Düsseldorf produziert und am 20. Mai 2026 bei NRWision veröffentlicht.

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